Home
Nach oben
Bilder
Projekt Nachen

 

 

Grollend aus dem Main er steigt,

Neptun Euch en Nachen zeigt !

Soo ist der Opel rüberkomme,

Ein Motorboot wurd nit genomme !

Main-Spitze 28.01.2004

"Motorboot wurd nit genommen"

"Raabekazze" sind jetzt schon zum elften Mal beim Fastnachtszug dabei


Bei der technisch aufwenigen Konstruktion für den Motivwagen der Raabekazze ist schon deutlich ein Nachen in den Fastnachtsfarben rot, weiß, blau und gelb auszumachen.
Foto: Hildegund Klockner
Vom 28.01.2004

FLÖRSHEIM In vier Wochen ist die närrische Kampagne vorbei. In der Fastnachtshochburg Flörsheim laufen die Vorbereitungen auch für den Fastnachtsumzug am 22. Februar auf Hochtouren. Die "Main-Spitze" stellt Gruppen vor, die derzeit intensiv ihre Motivwagen für den großen Tag vorbereiten. Diesmal die "Raabekazze".

 
Von

Hildegund Klockner

Die Parkas mit Farbe bespritzt, die Hände weiß von Sägemehlstaub und spitzbübige Freude in den Gesichtern. Beim Motivwagenbau der "Raabekazze" geht es nach dem Urprinzip jeder Fastnacht: "Aus Spaß an der Freud". Dem Mini-Verein von 17 Mitgliedern (mit etwa 5 Prozent Frauen) geht es um die Brauchtums- und Kulturpflege im Städtchen am Untermain.

Daher nehmen sie an der Fastnacht immer einen Aspekt der Lokalpolitik des vergangenen Jahres unter ihre kritische und "ironische Lupe". So ist ihnen "bitter aufgestoßen", dass die historische Mainüberquerung mit Adam Opels erster Nähmaschine im Doppeljubiläum der Stadt ganz unhistorisch in einem Motorboot nachgespielt wurde. "Das muss doch den Wassergott Neptun erzürnen!"

Deshalb haben die Raabekazze in einer launigen Runde an ihrem Stand am Weihnachtsmarkt ihr Fastnachtsmotto für die Kampagne 2004 festgelegt: "Grollend aus dem Main er steigt, Neptun Euch en Nachen zeigt! Soo ist der Opel rübergekommen, ein Motorboot wurd nit genommen!" Und da auf dem Motivwagen bei diesem Verein mit überproportional vielen Architekten und Ingenieuren immer eine komplizierte Baukonstruktion aus Stahl und Holz in Bewegung sein muss, dürfen die Zuggäste zu Recht gespannt auf die Umsetzung des "Raabekazze"-Anliegens sein.

Seit 1994 sind die "Raabekazze" fester Bestandteil der Flörsheimer Fastnacht und dieses Jahr somit zum närrischen, elften Mal dabei. Der Lastwagen-Anhänger ist mittlerweile das Eigentum des Vereins und wird mit seinen beachtlichen Außenmaßen von 2,50 mal 8 Metern von dem Flörsheimer Landwirt Wolfgang Mitter gesteuert.

So viel darf verraten werden: Die "Raabekazze" scheuten keine Mühe und holten sich Anregungen zum Motivwagenbau auf der Kölner Fastnachtsmesse im Juli, wo auch Leute aus der Fastnachtshochburg Düsseldorf in einem Motivwagenbauworkshop sich neue Anregungen holten. So wurden die Maße des Wagens in den Computer eingegeben und können dadurch dreidimensional "über- und unterflogen" werden. Damit stimmen die Relationen von Wagenaufbau, Skulpturen und den mitfahrenden Fastnachtern ganz exakt.

Alle Motivwagen der Raabekazze können im Internet bestaunt werden.

Höchster Kreisblatt 23.02.2004

30000 gut gelaunte Besucher trotzen beim Flörsheimer Fastnachtszug den niedrigen Temperaturen

Sogar Neptun steigt aus den Fluten des Mains

Von Thorsten Remsperger

Flörsheim. Ganz optimistisch hatte sich der närrische Flörsheimer eine Sonne auf seine Glatze gemalt, doch die wäre gestern selbst für Gott Jokus zu viel des Guten gewesen. Dafür schloss die närrische Gottheit einen Pakt mit Petrus und ließ es nur bis eine Stunde vor Beginn des Flörsheimer Fastnachtszuges nieseln, so dass später beste Voraussetzungen herrschten für die Tausenden von Menschen in den Straßen der Untermainstadt, von denen sich nur wenige nicht kostümiert hatten.

Mit 145 Zugnummern sorgten die 2500 Aktiven für ein farbenfrohes und fröhliches Spektakel in der Innenstadt, das vom Flörsheimer Narren-Club veranstaltet wurde und bei dem für jeden Fastnachtsfreund etwas dabei war. Etliche Tonnen Süßigkeiten, Luftschlangen und Konfetti wurden von den Motivwagen und besonders stark vertretenen Mottofußgruppen ins Publikum befördert. Entweder klassisch mit der Hand oder per Kanone. Geflogen kamen als originelle "Ausreißer" Putzlappen, Stadtpläne, Schlüsselanhänger, Reinigungsmilchtücher, abgepackte Würste und kleine Gewinnlose, in denen zur Enttäuschung der Fänger ganz normale Bonbons verpackt waren.

Ein Trend war musikalisch der Hit "Ab in den Süden", der von den Anwohnern mit Musikanlagen wie auch den Disc-Jockeys auf den Motivwagen, gern in den CD-Player eingelegt wurde. Selbst eine Kapelle, die Guggemusiker "Mettma Fetzer" aus dem Schwarzwald, hatten den Ohrwurm in ihrem Repertoire. Beliebtestes Themen waren in diesem Jahr Piraten – vom FC Eddersheim, den Weilbacher Kerbeborsch und dem Carneval-Club Raunheim verkörpert – und der Bildschirmerfolg "Dschungel-Camp", um das sich auf den Wagen bei den Kradfahrern Felzünd und der Krifteler Heimat- und Festwagengesellschaft, die Flörsheim dem zeitgleichen Hofheimer Zug vorgezogen hatten, alles drehte, im "Dschungelbuch" hatte wiederum der "Mooadel" geblättert.

Unter den acht Mottos mit Lokalkolorit befand sich zwei Mal die nicht mehr allzu lange bestehende "Bahnschrank" in Flerschem" (Germania-Dreamboys und Privatgruppe "eggs entorbis"), "Après-Ski uf de Deponie" (Club Fidelio Wicker), die Schwefelquelle, die die Schaumstoff-Drachen der Privatgruppe Los Egalos anzog. Die "Hipp de Bach's un dripp de Bach's" hatten ein Flugzeug gebastelt, das über einer Hütte schwebte und reimten: "Wir brauche hier ka Vögel scheuche, des macht der Flieger mit sei Geräusche." Die "Bachschisser" waren sich mit Nachbildungen des Dichterhauses vom Regionalpark Rhein-Main und des Glockenspiels sicher, dass Weilbach ein Touristenziel wird. Während die Flörsheimer Kerbeborsch, teilweise in Pullovern mit der Aufschrift "Security" mit ihrer symbolischen Kirche versicherten, dass die Kerb trotz vergangener Krawalle erhalten bleibe, gingen die "Raabekazze" nochmals auf den Nachen ein, um den sich im zurückliegenden Flörsheimer Jubiläumsjahr vieles drehte und bauten dafür mit einer sich drehenden Neptun-Statue, der zwei Boote in den Händen hielt, die imposanteste Figur.

Die wohl aufwendigsten Kostüme der Fußgruppen trugen die rund 50 Teilnehmer der Altstadtborzeler, die sich überdimensionale Löwenköpfe für ihre orangenen Trachten gebastelt hatten. Die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling, dargestellt mit Kostümen, waren beim Gesangverein Liederkranz-Eintracht Eddersheim auch sehr schön anzusehen, als lustige Idee sind auf jeden Fall die Zigarettenschachteln der DJK Schwarz-Weiß einzustufen mit erfundenen "Warntexten" wie "Mir doch egal" statt "Rauchen kann tödlich sein". Kurios die Hexen der Privatgruppe Graile, die sich als Hexen "falsch herum" kostümiert hatten, artistisch die turnenden AKK-Frauen aus Kelkheim. Auffallend viele Vereine wiesen auf ihr eigenes Jubiläum, ob närrisch oder nicht, hin: Der Reitsportverein Flörsheim (75 Jahre), Reit- und Fahrverein Eddersheim (25), die Kolpingfamilie Flörsheim (90) mit den peppigen Tabalugas, der Carneval-Club Mainperle Okriftel (vier Mal elf) und die Hochheimer "Nachteulen" (zwei Mal elf) mit einer Schlafmütze, der bequem aus seinem Bett die Bonbons in die Menge jagte. Auffallend wenig allgemeine politische Themen hatten die Zugteilnehmer dafür gestern gewählt: Die Privatgruppe Dreisbach und die DJK-Panzerotti-Gang hatten es auf die Praxisgebühren abgesehen, die Freiwillige Feuerwehr aus Hattersheim ging auf die Schnelllebigkeit der Gegenwart ein. "Ja ist denn schon Karneval?", fragten sich die Weihnachtsmänner. Und schwups: Übermorgen ist die fünfte Jahreszeit tatsächlich schon wieder vorbei.

Rüsselheimer Echo 23.02.2004

Das Narrenvolk stürmt die Stadt
Flörsheimer Fastnachtszug: Bunte Nummern, hübsche Garden und ausgelassenes Fußvolk

FLÖRSHEIM.„Was unser Flerschem schöner macht? FNC und Fassenacht“, heißt dieses Jahr das Motto der Straßenfastnacht, die heute (23.) mit dem Bankensturm und am Fastnachtsdienstag mit dem Maskenzug durch die Stadt fortgesetzt wird.

Der Flörsheimer Umzug mit seiner langen Tradition zieht jedes Jahr mehrere zehntausend Menschen in seinen Bann. Dabei sah es gestern zunächst so aus, als ob nur wenige Zuschauer kommen würde. Lange gab es direkt am Zuggelände noch freie Parkplätze und in den Straßen, wo sich sonst um diese Zeit bereits die Menschen drängten, herrschte fast gähnende Leere. Doch plötzlich wälzte sich ein immer größer werdender Strom zumeist bunt maskierter Narren durch die engen Gassen. Viele hatten wohl erst einmal abgewartet, wie das Wetter sich gestaltet, nachdem es am Vormittag hin und wieder regnete. Doch pünktlich zum Start des Umzuges hatte sich der Regen verzogen. Dass es erst in letzter Minute voll wurde, mag auch an dem nach vorne verlegten Zugbeginn liegen. Startete der närrische Lindwurm früher um 14.11 Uhr, lässt Generalfeldmarschall Willi Lauck seine Truppen nun schon eine halbe Stunde früher los marschieren, damit auch die letzte Gruppe noch bei Tageslicht am Mainufer ankommt, wo sich der Zug dann auflöst.

Dass Bürgermeister Ulrich Krebs angesichts der Masse der Narren schnell kapitulierte und den Stadtschlüssel rausrückte, versteht sich von selbst. Anscheinend stand der Rathauschef dieses Jahr aber etwas neben seiner Kappe. Denn er vergaß nicht nur, den Narren den obligatorischen Präsentkorb mit einer ordentlichen Wegzehrung zu überreichen, sondern schritt auch erstmals die Parade der Truppen nicht ab.

Quälend lang wurde die Zeit von der Schlüsselübergabe bis zum Eintreffen des Zuges an der Ehrentribüne. Für das lange Warten wurden die Ehrengäste, ebenso wie alle anderen Zuschauer, dann aber entschädigt. „Trotz vergangener Krawalle bleibt die Kerb dies' Jahr erhalle“, versprachen Kerweborsch und Kerwemädchen. Die ewig geschlossene Bahnschranke nahmen die „Germania-Dreamboys“ aus Weilbach gekonnt auf die Schippe, während der „Club Fidelio“ aus Wicker „Apres Ski uff de Deponie“ zum Thema hatte. „Meilenweit für einen Camembert“ geht der Freundeskreis Perols, während die „Kradfahrer Felzünd“, wie auch andere Gruppen, das Dschungelcamp“ zum Motto hatten. „Hört ihr den Rhythmus von Afrika“, fragten die Flörsheimer Altstadtborzeler, während sich die „Zugvögel“ mit einer Flower-Power-Nummer wieder zurück meldeten. Den Duft aus der Schwefelquelle verströmten die „Los Egalos“ aus Flörsheim, während die Kolpingfamilie auf ihren neunzigsten Geburtstag aufmerksam machte. Im Schneegestöber befand sich die Flerschemer Fastnachtsgesellschaft, während die Privatgruppe Dreisbach mit ihrem Motto: „Ich bin krank, bring mich zur Bank“, die Gesundheitsreform auf die Schippe nahm. Als Seeungeheuer stiegen die Raabekatze aus dem Main, während die „Schmotzer“ wieder mit ihrem überdimensionalen landwirtschaftlichen Gefährt zu gefallen wussten.. Zum Touristenziel erklärten die Weilbacher „Bachschisser“ das Glockenspiel, während die DJK die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen persiflierte. Als Wüstenschiffer kamen die Mitglieder der Marinekameradschaft daher, während der „Mooadel“ ins Dschungelbuch abtauchte. Auch viele andere Flörsheimer und auswärtige Gruppen hatten sich mit viel Fantasie ein Motto ausgewählt. Am Schluss des Zuges marschierte wie gewohnt die große Truppe des Flörsheimer Narrenclubs.

Auch wenn der Zug wegen der Enge in einigen Straßen immer wieder stockte, wurde es den Zuschauern nicht langweilig. Die vielen mitmarschierenden Musikkapellen sorgten für flotte Rhythmen, bei denen sich das Publikum am Straßenrand immer wieder warm schunkeln konnte.

 

Main-Spitze 25.02.1004

Tolle Stimmung und tolles Wetter

Maskentreiben in der Altstadt zieht wieder Hunderte an / Viele Privatgruppen präsentieren sich

 Das Flörsheimer Maskentreiben an Fastnachtsdienstag hat seinen eigenen Charme. Ein paar hundert Besucher - fast ausschließlich Flörsheimer - die einfach von Fastnacht noch nicht loskommen konnten, hatten sich gestern Nachmittag wieder zum fröhlichen Kehraus mit Maskentreiben in der Flörsheimer Altstadt versammelt, um ein letztes Mal so richtig ausgelassen "Hall die Gail" zu rufen.

Bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingstemperaturen trieben ab 15.11 Uhr wieder jede Menge Hexen, Zauberer, Clowns, Cowboys, Indianer, Piraten und allerlei Tiere ihr Unwesen und hatten "Spaß uff de Gaß".

Tolle Stimmung schon am Mainufer, wo sich die Teilnehmer versammelten. Ein festgelegtes Zugprogramm gibt es hier nicht, auch Anmeldungen sind nicht nötig.

Der Fastnachtszug am Dienstag ist mit 16 Gruppierungen nicht so gigantisch wie am Sonntag, dafür familiärer. Es herrscht weniger Gedrängel, die Kleinen können hier viel besser und gefahrloser ihre Bonbons sammeln.

Ob Kerbeborsch, Kolping, Bachschisser, Altstadtborzeler, Flörsheimer Fastnachtsgeschwader, Moo-Adel, Raabekazze, Freundeskreis Perols, die Schmotzer, sämtliche Gruppen des FNC - alle bewährten Formationen waren dabei. Für sie hat sich die viele Arbeit, die sie in den Wagenbau investiert haben, somit doppelt gelohnt.

Auch die herrlich bunten, oft selbstgenähten Kostüme konnten noch einmal stolz präsentiert werden, bevor sie wieder für viele Monate im Kleiderschrank verschwinden. Die meisten Gruppen kennt man schon vom Sonntag, es gibt aber immer wieder Privatgruppen, die bewusst nur beim Maskentreiben mitlaufen wie "exotische Familienclans", das "Putzgeschwader 2004" mit Kopftuch und Besen und "Abordnungen" aus dem Karneval á la Venezia, - dabei sein war alles!

Für die Sicherheit des Zuges sorgten vier Polizeibeamte. Sie erwarteten keine "besonderen Vorkommnisse". Die Flörsheimer Zugteilnehmer sind für ihre Friedfertigkeit und ihre disziplinierte Ausgelassenheit bekannt.